Als Rechtsanwältin begegne ich täglich Menschen mit ganz unterschiedlichen Lebensgeschichten, Herausforderungen und Bedürfnissen. Mir ist bewusst, dass nicht alle Menschen Informationen gleich verarbeiten, gleich kommunizieren oder mit belastenden Situationen auf dieselbe Weise umgehen. Genau deshalb ist mir eine neurodivergenz- und gesundheitssensible Mandatsbetreuung ein besonderes Anliegen.
Vielfalt als Normalität, nicht als Ausnahme
Neurodivergenz verstehe ich als natürlichen Teil menschlicher Vielfalt. Menschen mit Autismus, ADHS, Dyslexie oder anderen neurokognitiven Besonderheiten bringen häufig andere Denk- und Wahrnehmungsweisen mit. Auch chronische Erkrankungen wie ME/CFS (Myalgische Enzephalomyelitis/Chronisches Fatigue-Syndrom) stellen eigene Anforderungen an eine Zusammenarbeit – etwa im Umgang mit Energiegrenzen, Belastbarkeit und der Notwendigkeit reizarmer Kommunikation. Diese Unterschiede sind für mich keine Schwäche, sondern Ausdruck individueller Stärken und Bedürfnisse.
Mein Anspruch ist es deshalb, meine anwaltliche Beratung so zu gestalten, dass sie für möglichst viele Menschen verständlich, transparent und zugänglich ist. Es geht dabei nicht um eine Sonderbehandlung, sondern darum, unnötige Barrieren abzubauen und eine vertrauensvolle Zusammenarbeit zu ermöglichen.
Was das für die Zusammenarbeit bedeutet
Verständliche Kommunikation. Rechtliche Themen sind oft komplex. Ich lege deshalb großen Wert auf klare Sprache, kurze und gut strukturierte Erklärungen, möglichst wenige Fachbegriffe, nachvollziehbare Beispiele und ausreichend Zeit für Rückfragen.
Transparenz und Struktur. Viele Menschen erleben rechtliche Verfahren als belastend und unübersichtlich. Ich informiere deshalb möglichst frühzeitig über die nächsten Schritte, benötigte Unterlagen, Fristen und Erfolgsaussichten – nach Möglichkeit zusätzlich in schriftlicher Form.
Selbstbestimmte, reizarme Kommunikation. Jeder Mensch kommuniziert anders. Sie entscheiden, ob und wann ein Austausch per E-Mail, Telefon, Videokonferenz oder persönlichem Gespräch für Sie am besten passt. Gerade bei ME/CFS berücksichtige ich Energiemanagement und Belastungsgrenzen – etwa durch kürzere Termine, ausreichend Pausen und den Verzicht auf unnötigen Zeitdruck. Auch längere Denkpausen, wenig Blickkontakt, schriftliche Antworten, eine Begleitperson oder Selbstregulationsstrategien wie Stimming bewerte ich nicht – entscheidend ist, dass Sie sich sicher fühlen und wir gemeinsam gut arbeiten können.
Nachvollziehbare Unterlagen. Auch schriftliche Informationen gestalte ich möglichst übersichtlich: mit klarer Gliederung, aussagekräftigen Überschriften, gut lesbaren Formatierungen und – wo sinnvoll – Checklisten.
Mein Selbstverständnis
Eine neurodivergenz- und gesundheitssensible Mandatsbetreuung bedeutet für mich nicht, juristische Anforderungen zu verändern. Sie bedeutet, den Weg dorthin so verständlich, transparent, selbstbestimmt und zugänglich wie möglich zu gestalten. Jeder Mensch hat das Recht auf eine verständliche, respektvolle und wertschätzende anwaltliche Beratung.
Mein vollständiges Selbstverständnis zu diesem Thema können Sie hier als PDF herunterladen: [Mein Verständnis einer neurodivergenzsensiblen Mandatsbetreuung (PDF)]
Recht. Strategie. Verantwortung.
Rechtsanwältin Juliane Reichard, MBA · Kanzlei Reichard
